Treppen (B.Grosche)
Jede Stufe bringt dich dem Ziel ein Stück näher.
Treppen sind wie Lebensabschnitte-
eine Stufe allein betrachtet, scheinbar ein unbeschriebenes Blatt-
aber viele Stufen stehen für einen langen Lebensweg mit reichlich Erfahrung...
und am Ende- das Ziel.
Jeder strebt danach - aber setzt man für das Ziel das Lebensende-
so bleiben viele Fragen und Zweifel sogar Ängst offen.
Also ist unser Leben der Weg - holprig und selten gerade.
Man kann sie
rauf gehen,
rauf rennen,
rauf fallen,
runter fallen,
rauf hüpfen,
runter hüpfen....
außer Atem schnaufend - pfeifend aus dem letzten Loch-
fröhlich singend voller Inbrunst...
leichtfüssig - oder schwer an Last.
Treppen sind die erreichten Lebensabschnitte-
Keiner von uns vermag die Länge seiner eigenen Treppe zu ermessen.
Manche Treppen sind kurz und schmal
andere wiederum breit und endlos lang.
Dann gibt es die glatten Betontreppen,
Rolltreppen,
Wendeltreppen,
Holztreppen,
Steintreppen...
und wunderschöne verwitterte Waldtreppen wie diese...
Genau wie kein Lebensweg dem anderen gleicht...
so verschieden sind auch die Treppen.
Keine gleicht einer anderen...
jede ist individuell...
ich
wünschte manchmal wir Menschen würden uns auch mehr auf unsere
Einzigartigkeit besinnen und nicht nach dem Gleichschritt der Masse
suchen.

Hermann Hesse
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
in andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegensenden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ...
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
Stolpersteine
Ada Christen (1839-1901)
Fünf Treppen hoch
Fünf Treppen hoch, fünf Treppen hoch,
Dem Himmel nah, dem blauen,
Die Tauben nur vermögen noch
In unser Heim zu schauen.
Tief unten liegt die Welt, es dringt
Nur in verlornen Tönen
Herauf, was so betäubend klingt,
Ihr Jubeln und ihr Stöhnen.
Wenn es auch oben einsam ist,
Du sehnst dich nicht hinunter,
Und wie dein kleiner Vogel bist
Du immer froh und munter.
Vom Kirchturm in die traute Ruh
Des Stübchens manchmal klingen
Die Glockenstimmen ... aber du
Kannst doch viel schöner singen.
Fünf Treppen hoch, fünf Treppen hoch
Halt ich dich treu geborgen,
Was gilt die Welt mir unten noch
Mit ihren grauen Sorgen?
Stufe um Stufe Der Weg ist das Ziel